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GIPSY, DER HUND MEINES LEBENS
Ach! Was warst du für ein Wuschelproppen als ich dich auf dem Uetendorfberg zum ersten Mal sah! Wir Beide
waren für einander geschaffen das wusste ich vom ersten Augenblick an. Damals warst du gerade mal 12 Wochen alt ! Ein dicker, völlig unproportionierter, mehr breit als langer Hundewelpe, mehr Fell als Hund, aber
eben, mein Freund, der mich nunmehr fast 19 Jahre durch gute und auch schlechte Zeiten begleitet und mich nie im Stich gelassen hat. Deine Liebe ist ehrlich und grenzenlos und unendlich, denn noch heute, mit
gut und gerne 130 Hundejahren auf dem Buckel, wehrst du dich mit aller Kraft dagegen mich alleine zu lassen!
Lachend muss ich daran zurückdenken, wie wir beide in unseren jungen und wilden Jahren durch die tief
verschneiten Berneralpen fegten, uns halsbrecherische Touren durch Bergbäche und Steilhänge wagten. Mehr als nur oft fast am Ende unserer Kraft schleppten wir uns nach Hause, Seite an Seite. Erinnerst du dich
als du dich als kleiner Welpe auf das Treibholz wagtest und auch prompt ins Wasser fielst? Und Wochen danach über den langen Holzstamm geklettert bist, mir hinterher und unter uns der Rachen der „Aareschlucht“, der
sich gut und gerne 300 Meter tief, bis hin zum Halszäpfchen, öffnete ? Du kannst mir glauben, auch ich schlucke heute tief und tippe mir an den Kopf, wenn ich daran zurückdenke. Aber gel? Schön war's doch gewesen!
Auch Richter und Staatsanwälte brachen uns nicht auseinander sondern schweißten uns noch mehr zusammen;
und während meine frisch geschiedene Frau dich als taub und senil schon abgeschrieben hatte, entführte ich dich nach Portugal, wo unser gemeinsames und spannendes Leben von neuem begann. Wieder
hast du meine Flegeljahre von neuem begleitet, aber dieses Mal aufmerksamer und schon fast Einbisschen berechnend. Du hast „Sie“ für mich ausgesucht, nicht ich und du hast richtig entschieden.
Wenn ich dich mit anderen Hunden vergleiche so frage ich mich immer wieder, wo du nur deinen Power
herhast? Mit neun Jahren bist du den „Monchique“ (Portugal) hochgerannt bis deine Pfötchen glühten. Mit 10 bist du über einen überfüllten Busbahnhof in Rio de Janeiro gebummelt und hast mit uns frische Möhrchen
geknabbert, weil wir nach einem bewaffneten Überfall rein aber auch gar nichts mehr hatten. Ich kann mich noch gut erinnern wie mein Schwiegervater wütend am Telefon sagte: „Ich bezahle euch den Rückflug in die
Schweiz! Aber nur dem armen Hund wegen“. Du hast mich wieder einmal gerettet! Während ich mich langsam an andere Währungen und Sprachen gewöhnte, hattest du dich schon längst angepasst, nie hast du
Fehlentscheidungen getroffen.
Als du zwölf warst akzeptiertest du zum ersten Mal einen neuen Hund in der Familie. Vielleicht war es an
der Zeit, denn mein Nachwuchs bereitete dir mehr als nur viel Arbeit, du warst clever genug, einen Spielgefährten für meine Kinder auszusuchen um mehr Ruhe zu haben. Seither genießt du das Leben mit viel
Gelassenheit. Du weißt dass es mir gut geht und ich glücklich bin.
Jetzt bist du schon fast neunzehn Jahre alt und manchmal fühle ich das du dich quälst - für mich. Das
Leben hat nun einmal entschieden das du vor mir gehen wirst, das kannst du und auch ich nicht ändern. Bitte meine liebe „Gipsy“ vergiss nie das wir für immer zusammen sind, auch wenn der Tod uns einmal scheidet. Und
bitte geht mit Selbstmut, denn eines Tages werde ich dir folgen und sei der Himmel auch noch so groß ich werde dich finden, das verspreche ich dir! Es sei denn, du findest verlockerndes, dann bin ich dir, weis Gott,
ganz sicher nicht böse. Vielmehr bitte ich dich zu gehen, denn genau so wie du mich liebst liebe ich Dich! Über Alles!
Thomy, Finca Esquinzo Tindaya
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